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6
Jul

Turner: Deutschland braucht eigenen Content

Matthias_Heinze

Matthias Heinze ist Vice President Commercial von Turner in Zentral- und Osteuropa und General Manager von Turner in Osteuropa. Foto: Turner

 

 

Netflix, Maxdome und Co. haben in Deutschland den Markt für VoD-Dienste bereitet. Jetzt will auch Turner im Herbst mit einem eigenen Streaming-Portal mitmischen. Demnach ist im umkämpften Markt noch Platz für einen weiteren Anbieter?

Matthias Heinze: Der US-Turner-Sender TCM arbeitet gerade an einem eigenen Streamingdienst für Filme, der im Herbst unter dem Namen FilmStruck starten soll. TCM steht in den USA für eine gut kuratierte Auswahl an Klassikern, Art-House- und Independent-Filmen. Unsere US-Kollegen übertragen hier ihre Erfahrungen und ihre Content-Expertise aus dem linearen Bereich auf neue Verbreitungswege und kreieren so ein äußerst vielversprechendes Projekt. Für den deutschsprachigen Markt ist Vergleichbares derzeit nicht geplant. Wir setzen hier auch weiterhin auf die erfolgreiche Zusammenarbeit mit unseren Plattformpartnern und deren non-lineare Angebote und sehen daher derzeit nicht die Notwendigkeit eines eigenen VoD-Portals.

 

Welche Rolle spielt eigentlich in einer Zeit der Disruption noch CNN für Turner? Springer hat sich von einigen seiner Flaggschiffen wie etwa der Hörzu getrennt.

Matthias Heinze: CNN ist der führende internationale Nachrichtensender in Europa. Obwohl CNN im linearen Bereich weiterhin sehr stark ist, liegt die Zukunft von CNN darin, eine 24-Stunden Nachrichtenplattform und ein Informationsnetzwerk zu sein, das die Menschen dort erreicht, wo sie nach Informationen suchen – im TV, digital, über Social Media oder auf mobilen Endgeräten. Drei Milliarden Website-Views im Monat, 90 Million Fans und Follower auf den Social Media Kanälen und neue Angebote im linearen und digitalen Bereich, die das traditionelle TV-Angebot ergänzen, zeigen, dass diese Zukunft schon begonnen hat. CNN ist die bekannteste und angesehenste der globalen Turner-Marken. An dieser globalen Bedeutung wird sich so schnell nichts ändern.

Wir sehen keine Notwendigkeit eines eigenen VoD-Portals für Deutschland

 

In digitalen Zeiten werden die großen Deals immer öfter zwischen globalen Playern geschlossen. Kommt das Turner zu Gute?

Matthias Heinze: Mit Blick auf Content-Deals geht es in erster Linie um die Kontrolle der Rechtekette. Turner investiert daher stark in eigene Inhalte, die von Turner in den USA – in erster Linie von den US-Sendern TNT und TBS – in Zusammenarbeit mit Turner International produziert werden. An diesen Produktionen, zu denen etwa die Action-Serie The Last Ship von Michael Bay oder die Comedy-Serie The Detour von Samantha Bee und Jason Jones, aber auch zahlreiche Produktionen für unseren Kindersender Cartoon Network gehören, halten wir alle Rechte. Das ermöglicht es uns, diese qualitativ hochwertigen Produktionen exklusiv und nur kurz nach der US-Premiere auch im deutschsprachigen Raum auszustrahlen. Daneben ist es aber gerade eine Stärke von Turner, dass wir in den einzelnen Märkten auf die jeweils vorherrschende Situation eingehen können. So haben wir uns etwa im deutschsprachigen Raum dazu entschlossen, unser Portfolio im Pay-TV-Bereich anzupassen und mit TNT Comedy, TNT Serie und TNT Film Sender anzubieten, die es so im restlichen Turner-Netzwerk nicht gibt, und für alle unsere Sender lokale Inhalte zu produzieren.

 

Turner

Foto:Turner

 

Und doch gibt es einen deutschen Markt, der sich von anderen unterscheidet. Genügt es hier auf Dauer US-Content anzubieten?

Matthias Heinze: Wir sind davon überzeugt, dass wir unseren Zuschauern im deutschsprachigen Raum auch deutsche Inhalte anbieten müssen. Daher zeigen wir seit Jahren auf allen unseren Sendern lokale Eigenproduktionen, die in der Vergangenheit auch mehrfach Preise gewonnen haben. Im Kids-Bereich wurden etwa unsere Produktionen Cartoon Network Spurensuche – Schnitzeljagd war gestern mit Collien Ulmen-Fernandes im Jahr 2013 sowie im darauffolgenden Jahr Die Cartoon Network Praktikanten – Jimi und Mitja machen den Job-Check mit Jimi Blue Ochsenknecht und Mitja Lafere mit dem Kinder-Medien-Preis Weißer Elefant ausgezeichnet. Auch bei unseren TNT-Sendern sind wir mit viel beachteten Eigenproduktionen aktiv: unsere eigenproduzierte Serie Add a Friend, von der wir drei Staffeln produziert haben, wurde mit dem Grimme-Preis, dem Bayerischen Fernsehpreis und dem Mira Award ausgezeichnet. Zuletzt gab es in diesem Jahr einen weiteren Grimme-Preis für unsere Mini-Serie Weinberg mit Friedrich Mücke in der Hauptrolle. Außerdem wird in diesem Herbst die zweite Staffel unseres Show-Formats Ponyhof auf TNT Comedy ausgestrahlt und wir arbeiten an 4 Blocks, unserer nächsten fiktionalen Produktion für TNT Serie, die in der ersten Jahreshälfte 2017 zu sehen sein wird.

 

Was ist disruptiv im deutschen Markt?

Matthias Heinze: Natürlich ist auch der deutsche TV-Markt im Wandel, allerdings unterscheidet sich die Ausgangslage hier stark von der in anderen Märkten. Eine Besonderheit des deutschen TV-Marktes ist die im weltweiten Vergleich geringe Pay-TV-Verbreitung, damit einhergehend aber auch die Tatsache, dass Deutschland einer der wenigen TV-Märkte in Europa mit organischem Pay-TV-Wachstum ist.

Parallel zu diesem Pay-TV-Wachstum steigt auch die Nutzung von non-linearen Angeboten. In diesem Bereich setzen wir verstärkt auf die Zusammenarbeit mit unseren Plattformpartnern, die ihrerseits mit Abrufangeboten wie etwa Sky mit Sky Go, über die auch unsere Turner-Inhalte angeboten werden, reagieren. Wir erleben dabei vor allem im Serienbereich, dass sich lineare und non-lineare Angebote häufig gegenseitig ergänzen. So nutzen Zuschauer etwa Online-Inhalte, um bei einer Serie, die sie nicht von Anfang an linear verfolgt haben, auf den aktuellen Stand zu kommen und steigen dann bei der regulären Ausstrahlung der neuen Folgen ein.

 

 

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