Kinderfernsehen im Umbruch. Wie gehen die großen Player mit den neuesten Entwicklungen um?

Kinderfernsehen im Umbruch. Wie gehen die großen Player mit den neuesten Entwicklungen um?

Okt 12, 2023 | Newsroom

  • Tasting Talk #31 vom 06.10.2023
  • Dr. Astrid Plenk, KiKa: Unser USP sind die Qualität und Vielfalt unseres Angebots
  • Thorsten Braun, Super RTL: Content aus Merchandise zu produzieren, ist verdammt schwierig
  • Bernd Wendeln, YFE: Kinderfernsehen soll unterhalten, Werte vermitteln, gutes Storytelling und ein bisschen Magie haben

Am vergangenen Freitag stand ein Thema im Fokus, das häufig um seine Aufmerksamkeit und Anerkennung kämpfen muss: Das Kinderfernsehen. Dem Programm für die Kleinsten kommt aus gesellschaftlicher Sicht eine besondere Bedeutung zu, die oft nicht ausreichend gewürdigt wird. Das sahen am Freitag auch etwa 60% der Zuschauer so, während nur 37% der digital Anwesenden das Gefühl hatten, das Kinderfernsehen habe bereits den gesellschaftlichen Stellenwert, den es verdient. Eine Plattform um dieses und weitere Themen rund um das Kinderfernsehen zu thematisieren, bot der 31. Tasting Talk.

Aktuelle Trends und Entwicklungen, wie eine fortschreitende Digitalisierung der Sehgewohnheiten sowie ein steigender Monetarisierungsdruck in der Medienbranche machen auch vor dem Kinderfernsehen nicht halt. Wie die Akteure der Branche mit diesen Entwicklungen umgehen und wie man die jungen Zielgruppen weiterhin erreicht, wurde mit hochkarätigen Experten besprochen. Thorsten Braun (CEO, Super RTL & Chief Consumer Products Manager, RTL Deutschland), Dr. Astrid Plenk (Programmgeschäftsführerin, KiKA) und Bernd Wendeln (COO & Vorstand, Your Family Entertainment) waren zu Gast bei Host Florian Leiber und Moderator Dr. Jörn Krieger. Die Aussagen der Experten und Expertinnen im Überblick:

Dr. Astrid Plenk (Programmgeschäftsführerin bei KikA) ist seit 2016 als Geschäftsführerin bei KiKa tätig. Sie stellt als USP (Unique Selling Point) des Kanals die „Qualität und Vielfalt des Angebots“ sowie die weitgehende Produktion in Deutschland heraus. Bei der Entwicklung von Programmen setze man auf eine enge Zusammenarbeit mit der Zielgruppe, da es sonst schwierig sei, die Inhalte „zu treffen, die die Kinder wirklich interessieren“. Es sei wichtig, die „Realitäten so abzubilden, wie sie im Alltag der Kinder stattfinden“. Dabei stehe beim KiKa nicht das Familienerlebnis im Vordergrund, sondern die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen.

Besonders wichtig sind KiKa dabei auch „edukative Ansätze im Vorschulbereich“ sowie vielfältige Möglichkeiten der Partizipation. Dafür nutze man beim öffentlich-rechtlichen Kindersender aus Erfurt auch die digitalen Möglichkeiten. So habe man unter anderem Bernd das Brot „als Chatbot entwickelt“, um den Kindern Möglichkeiten zur Interaktion mit der beliebten Figur zu geben. Dr. Plenk stellte zudem heraus, dass die meisten Kindern die Medien hybrid – „digital und linear“ – nutzen und formulierte daher auch das Ziel des KiKa: „Das Lineare weiter stärken, das Digitale weiterentwickeln und auch mehr Relevanz auf Drittplattformen zu haben.“

Thorsten Braun (CEO Super RTL & Chief Consumer Products Manager, RTL Deutschland) war als Vertreter der privaten Konkurrenz zu Gast. Seit 2020 ist er als Geschäftsführer von Super RTL im Amt und sieht die Besonderheit des Senders in der Stärke der Marke Toggo: „Viele der kommenden Elterngenerationen sind mit Toggo aufgewachsen“ und verbinden damit ein gewisses „Vertrauen“. Zudem ist er davon überzeugt, „dass in einer Welt voller Fragmentierung und verschiedenster Eindrücke, es wichtig ist, Marken zu haben, die für Etwas stehen“. Daher sei der Weg von Super RTL ganz klar die „Dachmarke Toggo in den Vordergrund zu stellen“ und „auf etlichen Plattformen präsent zu sein“.

Um genau dies zu schaffen und Kinder und Jugendliche in ihrem Alltag zu erreichen wurde bei Super RTL ein umfangreiches Content Hub gebaut: „Überall wo Kinder unterwegs sind, wollen wir ein Angebot aufsetzen – wir haben einen Radiosender gelauncht, arbeiten mit unseren Fernsehsendern, haben Web- und App-Angebote, produzieren Games, gehen auf die Toggo-Tour und sind durch Merchandise im Handel präsent.“

Um eine „Kapitalisierung von Reichweite“ zu erreichen sieht er neben Werbung und Abos auch Merchandising als große Säule: „Wir versuchen Merchandising und Story Hand in Hand zu denken“ und nannte als Beispiel die Erfolgsstory rund um Paw Patrol. Er gestand aber auch, dass es nur wenige Beispiele gebe, wo dies wirklich funktioniert, und hält fest: „Content aus Merchandise zu produzieren ist enorm schwierig“.

Bernd Wendeln (COO & Vorstand Your Family Entertainment) sieht trotz aller digitalen Entwicklungen das “lineare Fernsehen als Priorität“. Mit einer umfassenden Bibliothek, Rechten an verschiedenen Serien, Comics und weiteren intellektuellen Eigentümern sowie verschiedenen Fernsehsendern (Rick TV und Fix & Foxi), ist das das börsennotierte Unternehmen aus München ein wichtiger Player im deutschen und internationalen Kinderfernsehen. „Basis unseres Geschäfts sind die Rechte, die wir in unserer Bibliothek halten“. Man investiere daher in lineares Programm, „um es weiter aufzubauen“. Dies wurde durch den Einstieg eines großen Investors aus Amerika vereinfacht. Kartoon Studios direkt aus Hollywood besitze jetzt 45% des Unternehmens – dies sorge für „neue Möglichkeiten“, durch die man sich „finanziell neu aufgestellt und strategisch weiterentwickelt“ habe.

Ziel sei es „Kindern und Jugendlichen einen geschützten Safespace zu geben, der wirklich vernünftig ist“: Kinderfernsehen soll „unterhalten, Werte vermitteln, gutes Storytelling und ein bisschen Magie haben.“ Bei Family Entertainment wolle man „alle mitnehmen und für jeden ein gutes Programm machen“ um somit „ein gemeinsames Erlebnis schaffen, wo die Eltern mitschauen“. Gegen Ende des Talks gab Wendeln auch exklusive Einblicke in die neuesten Pläne des Unternehmens: Die „Legacy Brand“ Fix & Foxi soll neu rausgebracht werden und KI dafür genutzt werden, um internationale Märkte einfacher zu erschließen. Die Technik der Künstlichen Intelligenz bezeichnete er als „Gamechanger“

Wie gewohnt endete auch der 31. Tasting Talk mit einer Weinempfehlung von Gastgeber Florian Leiber: Der 2023er Simonsig Chenin Blanc aus der Coastal Region in Südafrika. Der Weißwein vom Weingut Simonsig Estate in der berühmten Weinregion Stellenbosch erhielt dieses Jahr die Mundus Vini Goldmedaille und überzeugt mit süßlichen Komponenten sowie einem Duft nach reifen Aprikosen.

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